Erfahrungen auf dem Weg zur NextGenerationWorX in Serie #3 Lernkultur statt Fehlerkultur

“Das Geheimnis des zugelassenen Lernens”

Einer der wichtigeren Erfahrungen war unsere Erkenntnis, dass Fehler keine Fehler sind sondern das Forschen nach dem richtigen Weg und viel mehr noch das Suchen nach Lösungen durch rantasten und testen. Es hat sich deutlich gezeigt, dass Menschen in ihrem Entscheidungsraum sehr vorsichtig agieren und sich langsam und viel durchdachter einer Lösung nähern. 

  • “Fehler sind der eigentliche Motor für neue Erkenntnisse in neuen unbekannten Wissensgebieten”
  • “Experimentieren im eigenen Entscheidungsraum ist Forschen und führt zu neuen Erkenntnissen”
  • “Es gibt keine Fehlerkultur es gibt nur eine Lernkultur”

Wir sprechen heute nicht mehr über eine Fehlerkultur, sondern über eine Lernkultur. Allein das verwenden des Wortes Lernkultur nimmt Ängste und macht den Teams Mut sich zu entwickeln und wahrhafte Innovationen zu schaffen. 

Auf der Haltungsebene solcher Teams passiert noch viel mehr. Das Bewusstsein für den eigenen Wert, Erfolge und der Wille neue Lösungsansätze zu entwickeln steigt exponentiell mit dem Erfolg des Teams. Fehlgeschlagene Versuche, selbst mit kritischen Konsequenzen werden umfahren, in dem Lösungen offen erarbeitet werden. Im Grunde steckt ein simpler Mechanismus dahinter. Keiner von uns möchte eine falsche Entscheidung treffen und die Chance haben, eine falsche Entscheidung zu korrigieren. In einem Team, welches auf Augenhöhe und Vertrauen basiert ist das auch ohne Probleme möglich. Rechtfertigungen und Entschuldigungen, wie wir sie aus klassischen Organisationen kennen, spielen in solchen Teams nicht mehr die oberste Rolle. Vielmehr steht das bewahren des Gesamterfolgs der Gruppe im Vordergrund.

Ein interessantes Beispiel aus unserer Erfahrung: Die Ausgangssituation war eine Analyse über die Fertigungsmöglichkeit einer Komponente. Es gab zwei Strategien. Die erste war die die Investition in eine klassische Maschine. Die Technologie war bekannt und es gab ein geringes Risiko für die Fertigbarkeit der Komponente. Die zweite Strategie war die Investition in eine für unsere Verhältnisse sehr disruptive Technologie. Der Vorteil war eine Kostenersparnis bei der Fertigung dieser Komponente von etwa 70%. Der Nachteil war die geringe Erfahrung mit dieser Technologie und damit verbunden das hohe technische Risiko. Dieses Team hat über einen sehr langen Zeitraum über diese Entscheidung diskutiert und lösungsorientiert Daten gesammelt. Am Ende hat sich das Team aber für das höher Risiko mit dem höheren Mehrwert entschieden. Es war für uns formale Führungskräfte damals nicht leicht, die Entscheidung im Team zu lassen und geduldig darauf zu warten. Auf der anderen Seite war es für das Team nicht leicht, die Verantwortung zu übernehmen und tatsächlich eine Entscheidung zu fällen. Wir haben durch diese Erfahrung auch sehr viel über die Mechanismen von Vertrauen und Verantwortung in der “Freiraumkultur” lernen dürfen. Es kam wie es kommen musste. Beim Start unserer Fabrik fiel genau diese Technologie aus. Da sie aber am Anfang unserer Fertigungs-Prozesskette war, gefährdete dieses Problem den gesamten Fertigungsbetrieb. 

In der Vergangenheit wäre folgendes passiert: Es wäre eine zunächst eine Diskussion über das Finden eines Schuldigen ausgebrochen und alle beteiligten Personen wären hauptsächlich damit beschäftigt gewesen sich maximal zu rechtfertigen. Im schlimmsten Fall wäre eine Lösungsfindung nicht möglich gewesen und die Fertigung hätte im gesamten Bereich für Monate gestoppt. Wir hätten prozessexterne Experten organisiert, langwierige Analysen durchgeführt, Maßnahmenpakete definiert und formalisiert – und nach mehreren Monaten wäre vermutlich das Problem gelöst worden.

Aber, es ist etwas anderes passiert. Dieses Team stand zur seiner Entscheidung und hat in weniger als einer Woche eine temporäre Lösung des Problems entwickelt und mit Partnerlieferanten die Fertigung der Komponente sichergestellt. Somit wurde der Fertigungsbetrieb aufrecht erhalten und Zeit zu gewonnen, die Technologie beherrschbar zu machen. Es hat uns immer wieder erstaunt, wie schnell intrinsisch motivierte Menschen gute strategische Entscheidungen treffen können. Es ist gar nicht hoch genug zu Bewerten, dass das Team die dadurch entstehenden temporären Mehrkosten gegen den gesamten unternehmerischen Erfolg maßen und im Grunde eine strategische Entscheidung formten. Das verstehen wir unter Unternehmertum.

Heute läuft diese Technologie uneingeschränkt und erzielt seit knapp 2 Jahren einen sehr hohen wirtschaftlichen Beitrag im Sinne der Gesamtprojektkosten. Die temporären Mehrkosten sind verglichen am Gesamterfolg nicht mehr erwähnenswert.

Abschließend kann man sagen, dass durch das Treffen von sogenannten falschen Entscheidungen oder das Machen von Fehlern einen Lernprozess in Gang gesetzt wird. Dieser sorgt dafür, dass zukünftige Entscheidungen durch das Gelernte geprägt sind. Die Entwicklung durch das Lernen ist in jedem selbstorganisierten Team auf die Lösung fokussiert, die sich durch scheitern und daraus lernen evolutionär entwickeln kann. Dieser Mechanismus ist Treiber unserer Entwicklung, generiert Innovation und macht uns durch jedes Lernen stärker in unserem Wirken. Wenn ich diesen Prozess einschränke und begrenze oder sogar abstrafe, dann werde ich genau das verlieren, was ich heute in Unternehmen suche – effektive Weiterentwicklung.

Ein weiterer Teil der Serie, den wir sehr gerne mit Euch teilen, viel Spaß beim Diskutieren.

Im nächsten Teil: #04 Mindset vor agilen Tools

...Experimentieren im eigenen Entscheidungsraum ist Forschen und führt zu neuen Erkenntnissen...

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